Grundstück
und Bebauung
Das Grundstück liegt an der Ecke zur Großen Hohen Straße.
Die Bebauung besteht heute nur aus dem breit gelagerten, zweigeschossigen
Vorderhaus von sieben Achsen.
Auf der Glashoff-Karte 1833 ist das Gebäude in den heutigen Abmessungen
dargestellt.
Datierungen
- westliches Dach: 10 Proben, Eiche, davon 1 Probe „um 1437“
- mittleres Dach: 10 Proben, Kiefer, davon 1 Probe „Winter 1676/77“,
3 Proben „Winter 1682/83“ und 1 Probe „Winter 1683/84“
- östliches Dach: 14 Proben, Kiefer, davon 1 Probe „Winter
1759/60“, 3 Proben „Winter 1760/61“ und 1 Probe „Winter
1648/49“ (Bauholz aus Schweden)
Kurzbeschreibung und bauhistorische Wertung
Hinter der breit gelagerten Fassade stehen drei ältere Giebelhäuser,
die an der im 19./20. Jh. veränderten Rückfassade noch erkennbar
sind. Die Baugeschichte des gesamten Komplexes ist bisher nicht untersucht;
erste Hinweise geben derzeit lediglich die dendrochronologischen Untersuchungen
der Dachwerke.
Danach
ist im westlichen Giebelhaus noch mittelalterliche Bausubstanz aus dem
15. Jh. nachgewiesen (im Keller drei kreuzrippengewölbte Joche,
14.-1. Drittel 16. Jh.), während im mittleren Haus Umbauten des
späten 17. Jh., im östlichen aus der Zeit um 1760 belegt sind.
Die
klassizistische Fassade horizontal gegliedert durch Stockwerksgesims
und kräftiges Hauptgesims, über den seitlichen Doppelachsen
hohe Attiken. Im Bereich des dreiachsigen Mittelrisalits ein Halbgeschoss,
eine niedrige Attika und ein Aufsatz mit Lünettenfenster und abschließendem
Dreiecksgiebel. Das Haupteingangsportal mit Pilasterrahmung und Verdachung
sitzt in der mittleren Achse. Ein weiterer Eingang an der Seitenfront
zur Großen Hohen Straße: Barockportal mit flankierenden
Pilastern und geschwungener Verdachung. Die drei Dachwerke vermutlich
im Zusammenhang mit der Errichtung der klassizistischen Fassade abgewalmt,
da sonst die Firstspitzen über der neuen Fassade zu sehen gewesen
wären.
Das
westliche Dach als Kehlbalkendach mit zwei Kehlbalkenlagen, 15 Gebinde,
Dachneigung ca. 67 Grad. Die Firstverbindung geblattet, die Sparren-Kehlbalken-Verbindung
als Hakenblatt mit Holznagel. Auf beiden Seiten gerissene Abbundzeichen
in römischer Zählweise, auf der Ostseite mit zusätzlichem
Diagonalstrich.
Das
mittlere Dach als Kehlbalkendach mit zwei Kehlbalkenlagen, 17 Gebinde,
Dachneigung ca. 53 Grad. Die Firstverbindung als Scherzapfen mit Holznagel,
die Sparren-Kehlbalken-Verbindung als gerades Blatt mit Holz- und Fugennagel.
Auf der Ostseite geschlagene Abbundzeichen, auf der Westseite geritzte
Abbundzeichen mit Fähnchen, römische Zählweise.
Das
östliche Dach als Mansarddach, 17 Gebinde, obere Dachneigung ca.
45 Grad, die untere Dachneigung aufgrund des Dachausbaus nicht bekannt.
Die Firstverbindung als Scherzapfen mit Holznagel, die Sparren-Kehlbalken-Verbindung
gezapft mit Holznagel. Auf der Ostseite geschlagene Abbundzeichen in
römischer Zählweise im Sparrenfußbereich.
Eigentümer
und Bewohner im 17. und 18. Jahrhundert
· Hans Sternberg
· Andreas Schulte (Kauf, 1634); Bürgerbuch: Andreas Schulte,
04.03.1629, Altflicker, Bürgersohn
· Jürgen Mehler (Kauf, 1650)
· Türkensteuerregister 1665: Peter Panring
und Frau, 1 Reichstaler und 40 Schilling; der damalige Eigentümer,
der Bootsmann Jurgen Mehler, zahlte für angrenzende Grundstücke
„Gegen dem Königl. Hoffe“ 1 Reichstaler und 38 Schilling
· Peter Panring (Kauf, 1678); Bürgerbuch: Peter Panring,
Schustergeselle, 13.1.1659
· dessen Erben (vermutlich vor 1694, nachgetragen)
· Jacob Zilmer (Zuweisung kraft Richterspruch, 1694); Bürgerbuch:
Jacob Zelmer, 21.09.1694, Hake
· Johan Conrad Böhm (Erbe im Namen der Ehefrau)
· die Hebung zum Heiligen Geist (aus Konkurs, 1728)
· Joh. Erdtman Burmeister (Kauf, 1790)
· Herr Tribunals Assessor Joach. Friedr. Stemwebe (Kauf, 1790); Stemwebe wird 1790 auch Eigentümer der Nachbarhäuser (Altes Stadtbuch Nrn. 1192, 1193, 1194, 1195 und 1196. Er ist als Bauherr für den klassizistischen Umbau des Komplexes anzunehmen.
Literatur
und Quellen
· Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern.
Bearbeitet von Hans-Christian Feldmann. München/Berlin 2000, S.
700.
· Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale
in der DDR. Mecklenburgische Küstenregion. München 1990, S.
153 (dort unter Lübsche Str. 100)
· Akten der Hansestadt Wismar (Bauordnungs- und Denkmalamt, Stadtarchiv).
· Dendrochronologisches Gutachten der Universität Hamburg,
Fachbereich Biologie,
Dipl.-Holzwirt Sigrid Wrobel,
Dezember 2002.
· Architekten, Ingenieure Pilote: Bestandszeichnungen M 1:50
(Grundrisse, Ansichten, Schnitte), Rostock 2003.